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Tierschutzhund hat Angst vor Spaziergängen? Warum das nichts mit Ungehorsam zu tun hat.

  • Autorenbild: Sonja Ettenhuber
    Sonja Ettenhuber
  • 21. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Hundetrainerin begleitet einen unsicheren Tierschutzhund, der zögernd an einer Haustür steht und Angst vor dem Spaziergang hat.

Du hast deinen Hund aus dem Tierschutz zu dir nach Hause geholt und freust dich auf eure gemeinsame Zukunft in der er geliebt wird und sich sicher fühlen kann.


Doch schnell merkst du, daß eure ersten Spaziergängen ganz anders verlaufen, als du es dir vorgestellt hast.


Sobald ihr auf der Straße seid verändert sich sein Verhalten.

Es fühlt sich an, als ob du einen völlig anderen Hund an der Leine hast.

Und du fragst dich: Warum reagiert er so?

Die Antwort ist einfach und gleichzeitig schwer zu akzeptieren. Dein Hund erlebt diese Situation völlig anders als du.

Je nachdem was er in seinem bisherigen Leben erlebt hat, kann seine Reaktion unterschiedlich sein.


Angst sieht nicht immer nach Angst aus.


Viele Menschen erwarten bei einem ängstlichen Hund Zittern, eingeklemmte Rute oder Weglaufen.

Doch Angst kann viele Gesichter haben.

Einige Hunde versuchen möglichst viel Abstand zu gewinnen

Andere frieren regelrecht ein.,

Und wieder andere bellen, knurren und reagieren aggressiv, um den Abstand möglichst groß zu halten.


Warum gerade Tierschutzhunde häufig so reagieren


Viele Hunde aus dem Tierschutz haben in ihrem bisherigen Leben wenig oder schlechte Erfahrungen gemacht.


Manche lebten frei und sind Spezialisten darin, sich unter fremden Menschen und anderen Hunden zu bewegen.

Andere haben vor allem Angst oder sind ständig unsicher, weil sie kaum etwas in ihrer Umwelt erlebt haben und völlig isoliert gehalten wurden.

Die Möglichkeiten,was in ihrer Vergangenheit geschehen sein könnte sind zahllos.


Wenn sie plötzlich bei uns in einem Haus oder einer Wohnung leben und dort regelmäßig Futter und Zuwendung erhalten ist das eine völlig neue Welt die sie erfahren.


Zusätzlich noch mit den neuen und ungewohnten Umwelteinflüssen außerhalb ihres Zuhauses umzugehen, bedeutet für sie Höchstleistung.


Warum Strafe alles verschlimmern kann


Wenn ein Hund auf eine ungewohnte und für ihn neue Situation durch Bellen, Aggression oder Erstarren oder Flucht reagiert, ist das keine Boshaftigkeit. Er weiß schlicht nicht, wie er mit der Situation umgehen soll und reagiert so, wie er gelernt hat Gefahr abzuwenden.

Ihn jetzt zu bestrafen würde seine Angst oder Unsicherheit nur bestätigen, weil die Bedrohung nicht verschwindet und sein Verhalten zusätzlich bestraft wird.


Was deinem Hund wirklich hilft


Der wichtigste Schritt ist, die Körpersprache deines Hundes zu lernen und sein Verhalten zu verstehen.

Es ist wichtig, daß du erkennst, in welcher Situation er welches Verhalten zeigt.

Am wichtigsten sind die Signale vor seiner eigentliche Reaktion (z.B. bellen).

Seid ihr bereits auf der Straße oder noch im Ausgang?

Findet er bereits die Haustüre gruselig?

Sind Menschen auf dem Weg und wenn ja, wie nah können sie euch kommen, bevor dein Hund reagiert?

Reagiert er auf Menschen, Hunde, Fahrräder, Autos oder so ziemlich alles?

Ist es laut oder eher leise?

Je mehr du die jeweilige Situation eingrenzen kannst, umso sicherer weißt du, wann er seine Reaktion zeigt.

Damit kannst du rechtzeitig beginnen deinen Hund zu beobachten.

Was für Reaktionen und welche Körpersprache zeigt er?

Versucht er sich an dir zu orientieren oder ist er nicht mehr ansprechbar?

Wie sieht seine Körper aus?

Wirkt er nach vorne gerichtet groß und starr?

Oder macht er sich möglichst klein und zieht den Schwanz unter den Bauch?

Bleibt er stehen oder versucht er aktiv auf die „Gefahr“ zuzulaufen?

Versucht er sich hinter dir zu verstecken? Bellt er? Winselt er? Oder ist er stumm?

Je genauer du die Signale lesen kannst, desto besser kannst du die Situation bewerten und deinem Hund helfen.

In aller Regel bringt es nichts die Situation zu vermeiden.

Besser ist es seinen gezeigten Reaktionen entsprechend und für ihn verständlich, die für ihn bedrohliche Situation aufzulösen.

Abstand, Ruhe und eine klare Orientierung an dich sind dabei wesentliche Faktoren.


Vertrauen wächst nicht an einem Tag.


Es wird euch nicht geschenkt, ihr werdet es erarbeiten.


Kleine Dinge und Situationen im Alltag lassen mit der Zeit dieses Vertrauen wachsen.

Nicht durch Zwang, sondern weil beide Seiten gelernt haben, richtig zu reagieren und Vertrauen ineinander zu haben


Keine Sorge, du mußt diesen Weg nicht alleine gehen.


Jeder Tierschutzhund bringt seine eigene Geschichte mit. Deshalb gibt es nicht die eine Trainingslösung, die für alle Hunde gleichermaßen funktioniert.


Mit Verständnis, Konsequenz, Liebe und Geduld und einem gezielten auf den Hund und seinen Menschen abgestimmtes Training kann aus einem gelösten Problem, Vertrauen und Sicherheit entstehen.

Das ist die Grundlage für ein entspanntes Zusammenleben.


Möchtest du deine Tierschutzhund besser verstehen und ihn auf seinem Weg begleiten?


Dann unterstütze ich dich gerne dabei. Durch individuelles Hundetraining für Tierschutzhunde sowie einer Begleitung vor und nach der Adoption.

Gemeinsam schaffen wir die Grundlage dafür, dass Vertrauen wachsen kann, leise, aber nachhaltig.

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